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---- 2009/2010 ----

Bericht (Originalfassung) über ein mehrmonatiges Praktikum im Rahmen des Studiums der Sozialarbeit in der "Association for Social Development" in Vettavalam, Südindien.

"Mein Aufenthalt in Indien war sicherlich erfahrungsreich und ich bin der Meinung dass ich mich, wenn nicht primär fachlich, doch aber persönlich stark entwickelt habe. Als persönlichen Erfolg werte ich meine Entwicklung von einem völlig abhängigen Individuum, dem wenig zugetraut und zugemutet wird hin zu einer Person, deren speziellen  Fähigkeiten tatsächlich abgefragt und geschätzt wurden. Diesen Prozess habe ich bislang im Stillen als die Entwicklung vom Kinde zum Erwachsenen bezeichnet.

Ein Großteil meines Praktikums bestand tatsächlich aus Warten auf Verbesserung oder zumindest eine Veränderung. Es hat lange gedauert bis ich begriff, dass dies in der Regel gar nicht anders möglich war, und die Mitarbeiter der Einrichtung ihr möglichstes taten um mich zu unterstützen. In einer indischen Tageszeitung stand: „Warten ist der Cousin der Armut.“. Insofern habe ich über lange Tage einen Teil der Armut erfahren, das zermürbende Warten. Dies war oft kaum auszuhalten, aber für die Menschen dort Realität. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen.

Eine weitere wichtige Erfahrung war mich in einer geschlossenen Gesellschaft einfinden zu müssen, in der Offenheit nur bis zu einem gewissen Punkt zugelassen wird, und in der das Individuum nicht der Mittelpunkt der Lebenswelt ist, sondern die jeweilige soziale Gruppe, und Familie oder Kaste über dem Individuum stehen. Zuletzt war die es eine wertvolle Erfahrung sich in ein relativ starres Hierarchiegefüge einzuordnen, und zu versuchen sich dort einzuordnen.

Es war eine harte aber lohnenswerte Erfahrung, die ich dort machen durfte, und mit Sicherheit habe ich viele Fehler gemacht, die aus meiner Unkenntnis der sozialen Gegebenheiten resultierte. Diese Fehler wurden mir nie angekreidet, und ich wurde sehr behutsam behandelt, und die Gastfreundlichkeit meiner Kollegen, und vor allem, wie Fremde auch aufgenommen werden schätze ich sehr hoch ein.

Das Praktikum war es wert."                                                          Hr. O. 


---- Dez./Januar 2008/2009 ----

Bericht (Originalfassung) über den Besuch  und Aufenthalt von zwei Schweizerinnen in der St. Mary`s Schule (SADHANA)  in Kallakurichi im Dez./Jan. 2008/2009.

„Kallakurichi“ 

„Wir waren gerade am Busbahnhof von Kallakurichi angekommen und versuchten, die Frau am Telefon zu verstehen, wie sie mit ihrem indischen Dialekt auf den Hörer einschrie.

Ich gab es auf und versuchte die andere Nummer, an der sich Mohan meldete, der einiges gelassener war und sogar einige Worte Deutsch sprach.

Mohan meinte, sie werden uns gleich abholen kommen.

Zum Zeitvertreib sah sich unterdessen Nathi den Busbahnhof genauer an, während ich aufs Gepäck aufpasste.

Da stürmte auf einmal Selvi auf mich zu und begrüsste mich stürmisch, und zerrte an meinem Arm, einer ihrer Begleiter wollte mein Gepäck tragen und ich hatte alle Mühe, ihnen klarzumachen, dass wir noch nicht vollzählig sind. Nachdem sie Nathi gefunden hatten, setzten wir uns in die Autorikscha und wurden zur Schule gefahren.

Wir waren die Nacht hindurch von Kuillom nach Salem mit dem Zug gefahren, und von dort wiederum 2 Stunden mit dem Bus nach Kallakurichi, und waren verständlicherweise ziemlich plemplem. Die Hitze tat ihr übriges.

Am Innenhof der Schule standen die Schüler in Reih und Glied, auf Klassen unterteilt, und nachdem wir unser Gepäck im Gästezimmer verstaut hatten, wurden wir herzlichst begrüsst.

Wir waren tief berührt, denn von anderen christlichen Organisationen waren wir Gastfreundschaft keineswegs gewohnt.

Nach der allmorgendlichen Zeremonie ruhten wir uns auf dem Zimmer aus, während für die Kinder der Schultag begann.

Beim Frühstück wurden wir gefragt, was wir gerne zu Mittag essen würden. Ich unterdrückte einen Gedanken an Italienische Küche und wir einigten uns auf Reis. Pathi erschien am frühen Nachmittag und begrüsste uns in im Büro. Er schlug vor, nach Schulschluss einen Ausflug zum Stausee zu machen. Zuvor sollten jedoch die Schüler einen Tanz vorführen, welchen sie auch an Weihnachten aufgeführt hatten. Und wir sollten sie anschliessend in ein paar Sätze ermutigen, die Schule abzuschliessen.

Wir hatten schon gehört, dass Inder es lieben, Feste zu feiern. Aber dass sie uns als Anlass dazu sahen, damit rechneten wir nicht. In einem grossen Klassenraum versammelten sich alle Schüler und Lehrer. Auf der Wandtafel stand:

Welcome Edith M.  and  Nathi R. (geändert, die Redaktion)

Ja, wir waren überrascht. Und begeistert von den Vorführungen der Kinder. Und von der Freude, welche sie dabei ausstrahlten. Pathi schenkte uns Tücher und Ketten und präsentierte sie an uns.

Abschliessend durften wir allen Kinder ein Bonbon verteilen, worüber sie sich sehr freuten.

Zum Stausee würden wir mit dem Schulbus gelangen und unterwegs konnten wir sehen, wo die Kinder wohnten. Von der lärmigen Stadt ging’s hinaus aufs Land, vorbei an Dörfern und Feldern, hinauf zur Staumauer. 

Oben verscheuchte der Fahrer erst mal die Affen, so dass wir ungehindert ausruhen und die Aussicht geniessen konnten. Auf diesem Aussichtspunkt erklärte und Pathi, er und Selvi wollen nicht, dass wir für den Aufenthalt in der Schule etwas bezahlen. Sie wollen uns dies schenken, weil Sie, Bernhard M. (geändert, die Redaktion) , soviel für die Schule getan haben und uns an Pathi weitergeleitet haben. Für Pathi und Selvi, so sagten sie, sei es als würden sie dies für Bernhard tun.

Wir waren ganz schön baff. Ich hatte Mühe mit dem Gedanken, ein Inder würde einen Schweizer einladen. Ohne grossen Aufwand verdiene ich mehr Geld als viele Inder in einem Jahr. Trotzdem, die Einladung stand – und wir nahmen an. Und verstanden die Welt nicht mehr.

Auf der Rückfahrt schnappte sich ein Mitfahrer einige Stangen Zuckerrohr und liess uns probieren. Ich fing an, die Schale mit dem Messer abzutrennen, das lachte Pathi und zeigte mir, wie er’s mit den Zähnen machte. Was ich dann prompt auch können wollte…autsch.

Zurück in der Schule trafen einige Freunde und Verwandte von Pathi und Selvi ein, wir sassen im Mondschein und lauschten den Gesprächen. Sie fragten uns nach unserer Reise in Europa und wir lachten viel. Zum Abendessen probierten wir zum ersten mal Idly auf Bananenblättern.

Pathi wollte uns unbedingt zu sich nach Hause nach Chennai einladen. Neugierig sagten wir zu und liessen uns für die nächsten Tage Routenmässig beraten. Vor Chennai wollten wir ein letztes Mal den Strand geniessen in Mamallapuram. Die Gastfreundschaft von Pathi und Selvi überraschte uns ein weiteres Mal. Wir waren froh, uns endlich einmal von der sonst eher stressigen Reise ausruhen zu können. Dieser Ort war für uns eine Oase.

Zwei Lehrer Pathi und Selvi fuhren uns mit der Rikshaw zum Busbahnhof, kauften uns Wasser und führten uns zum richtigen Bus.

Wir hatten viel geschlafen und gelacht. Wir sind von Herzlichkeit und Gastfreundschaft überschüttet worden. Wir fühlten uns gestärkt für den nächsten Teil unserer Reise.“                                        Edith M. u. Nathi R.


----- 11.November 2008 -----

Bericht (Originalfassung) über den Aufenthalt und ein Praktikum in der "Gesellschaft Für Soziale Entwicklung" in Vettavalam vom 19.08.2008 bis zum 29.09.2008.

"Der Aufenthalt in Vettavalam zeichnete sich von Beginn an durch eine sehr große Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit der Menschen vor Ort aus.

Nach den E-Mail Kontakten mit dem Sekretär Mr.F. und einigen Nachfragen bzgl. meiner Tätigkeit vor Ort, war mir bei Antritt meiner Reise nicht klar, was mich erwarten würde. Es gab keine konkreten Aussagen über mein mögliches Arbeitsfeld, so dass ich völlig offen nach Indien flog.

Vor Ort wurde ich total herzlich von den Mitgliedern und Frauen von ASD empfangen.

Rasch wurde mir klar, dass es ein Fehler war, mich nur auf  Englisch verständigen zu können. Es wäre gut gewesen, schon in Deutschland Tamil zu lernen – zu spät – vor Ort hatte ich die Chance, wenigstens ein paar Brocken zu lernen – ein „Arbeiten“ mit den Frauen machte meine Unkenntnis in Tamil jedoch unmöglich.

Dies war auch gar nicht unbedingt vorgesehen – vielmehr lag es Mr.F. daran, mir die Arbeit mit den Selbsthilfegruppen näher zu bringen. Ab der 2.Woche besuchten wir gemeinsam Frauengruppen, die sich zum monatlichen Meeting einfanden. Meistens fanden diese Treffen auf der Strasse, vor einem Haus statt. Eine Europäerin verursachte dann wahre Menschenaufläufe – alle wollten mich sehen, Kontakt haben und waren neugierig.

Das war zeitweise recht anstrengend (immer im Mittelpunkt) aber auch spannend und sehr bereichernd.

Die Frauen gingen mit einer großen Selbstverständlichkeit und Wärme auf mich zu. Irgendwann war dann auch das Sprachproblem kein Problem mehr – ich eignete mir die notwendigen Umgangsformen rasch an und hatte nie das Gefühl, außen zu stehen und etwas nicht mit zu bekommen.

Tagsüber verbrachte ich die meiste Zeit mit den Mädchen der Schneiderinnengruppe – auch hier hatte ich nie das Gefühl, sprachlos zu sein oder meinen Platz nicht zu finden.

Sehr rasch musste ich erkennen, dass ich mein Selbstbild als europäische Frau nicht in Indien leben konnte. Ich wurde stark mit dem traditionellen Frauenbild konfrontiert. Das sah dann so aus, dass ich nicht alleine in Vettavalam unterwegs sein konnte und für Freiräume schon sehr viel Klarheit und Willensstärke aufbringen musste.

Auch mit meinem Rollenverständnis als Sozialpädagogin musste ich mich sehr auseinandersetzen. Als Frau in der Frauenarbeit in Deutschland war es schon zeitweise ein Balanceakt, indische, männliche Umgangsformen in der Arbeit mit Frauen zu finden und zu akzeptieren.

Mr.F. war offen für Gespräche und Reflektionen. Er sieht seine Rolle in der Kontrolle der Gruppen bei der Vergabe von Krediten und der Einhaltung der klaren Gruppenregeln. Für sozialpädagogische und gar psychosoziale Belange bleibt da kein Raum. Diese Realität zu erkennen und anzunehmen brauchte Zeit und viel Akzeptanz. Aber auch Kenntnis der Situation vor Ort und den sozialen Strukturen im ländlichen Südindien.

Die Arbeit die vor Ort geleistet wird hat einen hohen Stellenwert und ist für viele Frauen in dieser Region sicherlich die einzige Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen. Deutlich wurde, dass viele Frauen auf Grund ihrer Sozialisation und tatsächlich schwierigsten Lebensbedingungen  mühsam lernen müssen, eigene Wege zu finden und Ideen zu entwickeln, der Armut zu entkommen.

Hier versucht ASD eine Unterstützung und Hilfestellung zu geben. Wichtig ist sicherlich auch, dass ASD ein Netzwerk für die Landbevölkerung schafft und somit den Zugang zu einem neuen Bewusstsein fördert.

Ein weiterer hilfreicher Baustein der Arbeit von ASD sind auch die Gesundheitcamps, die regelmäßig für die Landbevölkerung angeboten werden, oft die einzige Möglichkeit, kostenlose medizinische Versorgung zu erhalten. 

Danken möchte ich allen, die mir die Möglichkeit gegeben haben, sehr tief einzutauchen und mich ohne Erwartungen am Gemeinschaftsleben haben teilhaben lassen.“                                                              Fr. M.T.      






 
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